Ringen, DRB-Bundesliga
Greiz schlägt Schorndorf 15:13

Igor Besleaga (die Greizer roten Trikot immer zuerst genannt) wirft Domenik Chelo und schlägt den Schorndorfer nach Punkten.
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  • Igor Besleaga (die Greizer roten Trikot immer zuerst genannt) wirft Domenik Chelo und schlägt den Schorndorfer nach Punkten.
  • hochgeladen von Gerd Zeuner

Mit dem ASV Schorndorf hatte der RSV Rotation Greiz erstmals den starken Aufsteiger aus Baden-Württemberg zu Gast. Und es wurde der schwerste Heimkampf der bisherigen Saison.

Am Ende eines dramatischen Kampfabends behielten die Greizer vor über 800 zahlenden Zuschauern mit 15:13 die Oberhand und blieben damit auch in der dritten Heimbegegnung ungeschlagen. Die Gastgeber konnten sechs mal die Matte als Sieger verlassen, während die Schorndorfer vier Kämpfe für sich entscheiden konnten.

Hier in der Bildergalerie das Kampfprotokoll und hier ausführliche Bericht 

von Erhard Schmelzer: 

Die Greizer Ringer sind in der Ringer-Bundesliga zu Hause nicht zu schlagen. Nach Aue und Lichtenfels erwischte es nun auch das bis dato ungeschlagene Team des ASV Schorndorf. In einem nervenaufreibenden spannenden Gefecht, das nach sieben Kämpfen noch 7:13 für die Gäste aus dem Großraum Stuttgart stand, siegte der RSV Rotation Greiz unter dem tosenden Beifall seiner Zuschauer am Ende noch 15:13. Müßig zu erwähnen, dass die Greizer Sporthalle, diesmal von 805 Besuchern besucht, zum dritten mal deutschlandweiten Rekordbesuch verzeichnen konnte. Dazu passt auch der Kantersieg der zweiten Mannschaft im Spitzenkampf der Landesliga Sachsen gegen den bisherigen Spitzenreiter WKG Pausa/Plauen II mit 22:7. Die deshalb bereits um 17:30 Uhr erschienenen 225 Besucher übertrafen sogar die durchschnittliche Zuschauerzahl der Bundesliga Südwest, während zu den Kämpfen im Nordwesten nur durchschnittlich rund 60 Besucher mehr kamen.

Nach der Funktionssperre für den Greizer Trainer Tino Hempel nach dessen gelb/roter Karte aus der Vorwoche in Hallbergmoos wurde das Greizer Team von Konstantin Sommer und Sebastian Wendel betreut. Beide waren vorher noch in der zweiten Greizer Mannschaft aktiv. Die Gäste traten überraschenderweise erstmals ohne den Ex-Pausaer Maximilian Schwabe an.

Der Kampf hätte für den Tabellenzweiten aus Schwaben nicht besser beginnen können. Der zwanzigjährige Türke Engin Cetin, mehrmaliger Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften der Kadetten und Junioren brachte den 12 Jahre älteren Sven Cammin (57 kg/f) schnell in die Bodenlage. Dann gab es kein Entrinnen mehr. Nach sieben Rollen hatte er den Kampf schon nach 48 Sekunden mit 16:0 für sich entschieden. (Mannschaftsstand 0:4)

Die beiden Recken im Schwergewicht schenkten sich nichts. Der Rumäne Alin Alexuc-Ciurariu (130 kg/g) trug als zweimaliger EM-Dritter die Favoritenrolle gegen den deutschen Vizemeister und U23-EM-Dritten von 2017 Jello Krahmer, übrigen ein Eigengewächs der Schorndorfer. Der Greizer war in der ersten Hälfte aktiver, konnte aber im angeordneten Bodenkampf nicht punkten. Im zweiten Abschnitt kämpfte er heftiger um die Punkte, ging 3:0 in Führung, bedrängte seinen Gegner immer wieder, der aber selten das Zentrum der Matte verlassen musste. In der fünften Minute hätte der Rumäne seinen Gegner fast zu Boden gebracht, strauchelte dann aber. Der Schorndorfer reagierte blitzschnell und drängte ihn von der Matte. Die Greizer Zuschauer hatten mehr als einen 3:1 Sieg, der nur einen Mannschaftspunkt brachte, erwartet. (1:4)

Die Hoffnungen ruhten nun auf Alexander Grebensikov (61 kg/g), der Rumäne Razvan Arnautu, seit 2014 regelmäßiger Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften verschiedener Altersklassen, war aber ein unbezwingbarer Brocken. Der Armdrehschwung war in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein für die Greizer Ringer typischer Griff im Standkampf, wie der Hammerlock am Boden. Während Letzterer weltweit schon lange seine Stellung verloren hat, geriet der Armdrehschwung in Greiz leider ins Hintertreffen. Einer der Wenigen, die damit für Greiz in letzter Zeit punkteten, war Brian Tewes. Nun feierte dieser Griff in Greiz seine Auferstehung, allerdings durch den Gästeringer. Dem schnellen Vize-Europameister der U23 gelangen vier Würfe, die zweimal von Luckenwalder Kampfrichter Vladislav Grigorjev mit vier Punkten bewertet wurden. In Verbindung mit einer Verwarnung des Greizers und einer anschließenden Rolle am Boden stand so kurz vor Ende der ersten Halbzeit bereits der 15:0 Sieg des Schorndorfers fest. (1:8)

Magomedgadji Nurov (98 kg/f) sollte nun auf Verfolgungsjagd gehen, doch der deutsche Meister der Junioren und Männer in der 92 kg-Klasse Ertugrul Agca machte es ihm sehr schwer. Beide lieferten sich für diese Gewichtsklasse einen sehr schnellen Kampf. Der favorisierte WM-Dritte aus Greiz ging nach Beinangriff 2:0 in Führung, hätte fast zur Zange fassen können, führte zur Pause 4:0. Als er seinen Vorsprung auf 6:0 ausbaute, wuchs unter den Greizer Zuschauern die Hoffnung auf drei Mannschaftspunkte. Doch der Essener mit den türkischen Eltern, der mit drei Medaillen bei WM und EM der Junioren zu den größten Hoffnungen im deutschen Freistilringen gehört und immer wieder tiefe Beinangriffe versuchte, kam nach 5 Minuten zur Resultatsverbesserung von 2:6. 40 Sekunden vor Schluss war nach einem sehr umkämpften Beinangriff des Greizers, der alte Abstand von sechs Punkten wiederhergestellt. Würden dem Dagestaner die restlichen beiden Punkte gelingen? Er versuchte alles, aber erst in den letzten Sekunden gelang eine Angriffsaktion. Der Schorndorfer landete auf den Bauch, doch der Schiedsrichter entschied: Nach Ablauf der Kampfzeit! (3:8)

Vladimir Gotisan (66 kg/f) brachte die Halle zum Kochen. Schon nach 51 Sekunden stand es gegen den aus Rußland stammenden ehemaligen zweifachen Juniorenmeister Vladislav Wagner 10:0, als der Greizer einen Angriff seines Widersachers konterte und seinen Gegner mehrmals mit einer speziellen Fassung rollte. Ein zweiter Beinangriff des Schorndorfers, der ebenfalls gekontert wurde, und zwei Aktionen des wieder einmal restlos überzeugenden Moldawiers brachte noch in der ersten Hälfte den 16:0 Erfolg. (7:8)

Nach der Pause traf Dawid Wolny (86 kg/g) auf den starken Schweden Zakarias Berg, der alle seine bisherigen Kämpfe gewonnen hatte. Es wurde ein verbissener Kampf ohne technische Wertungen. Zweimal musste der Greizer als Untermann in den angeordneten Bodenkampf. Doch auch in dieser Position gelangen den EM-Dritten des Vorjahres und U23-Europameister des Jahres 2017 keine technischen Aktionen, so dass es am Ende 0:2 stand. (7:9)

Abdul Galamatov (71 kg/g) stand gegen seinen tschetschenischen Landsmann Idris Ibaev auf verlorenem Posten. Als der Greizer im Standkampf in die Verteidigung gedrängt wurde, gelangen dem Schorndorfer im angeordneten Bodenkampf drei Rollen zum 7:0. Zwar konnte sich der Greizer, als er im Kampf zu Boden gebracht wurde, nach einer weiteren Rolle geschickt aus der Bodenlage befreien, doch nun stand es schon 0:11. Noch einmal zu Boden gebracht reichte dem Schorndorfer eine weitere Rolle noch vor der Halbzeit zum 0:15. (7:13)

Unvergleichlicher Endspurt
Drei Kämpfe vor Schluss schienen nun bei einem Gästevorsprung von sechs Punkten die Messen gelesen. Martin Obst (80 kg/f) traf mit Zalik Sultanov auf einen Gegner, den die Greizer Ringkampfanhänger aus Kämpfen gegen Pausa und Eisleben kannten. Im Vorjahr siegte der deutsche Meister in Pausa 10:0. Diesmal ging es um jeden Punkt, der Berliner führte schon nach sieben Sekunden nach einem Beinangriff mit 1:0. Nach 90 Sekunden erhielt der Dagestaner eine 30 Sekunden-Strafe. Doch was nützte in dieser Situation ein Punkt? Martin Obst ging weiter vorwärts: Beinangriff, Rolle – 7:0. Ein weiterer Beinangriff, der nach außen ging, brachte noch vor der Halbzeitpause das 8:0. Dem Laien sei mitgeteilt, das es unverhältnismäßig schwer ist, gegen einen defensiv eingestellten Gegner zu punkten. Trotzdem führte Martin Obst nach vier Minuten durch einen weiteren Beinangriff nebst Rolle mit 13:0. Nun dauerte es nur noch rund zehn Sekunden bis zur Entscheidung. Der entnervte Gegner fiel beim nächsten Beinangriff auf den Rücken – 17:0 – und wurde vom nachsetzenden deutschen Meister auf die Schulten gedrückt. Die Halle stand Kopf. (11:13)

Nun musste Daniel Sartakov (75 kg/f) ran. Die Greizer hatten nicht mit dem Einsatz von Dawid Wolny gerechnet, der verletzt gemeldet war. Der aus Hessen stammende Dawid Wolny, für blitzschnelle Angriffsaktionen bekannt und sehr erfahren, war zweimal deutscher Juniorenmeister und vertrat Deutschland sechsmal bei Welt- und Europameisterschaften. Er hatte den besseren Start, Daniel Sartakov erhielt nach 90 Sekunden eine 30 Sekunden-Strafe. Doch durch einen blitzschnellen Beinangriff noch vor Ablauf der Strafe führte der Greizer 2:0. Dawid Wolny musste nun in der zweiten Hälfte verstärkt angreifen und der Greizer erhielt die zweite 30 Sekunden-Strafe, die diesmal vollstreckt wurde, da ihm in dieser Zeit kein Punktgewinn gelang: 2:1. Nach einem Knöchelgriff ging der Schorndorfer 2:1 in Führung. Ganze 50 Sekunden blieben noch zu kämpfen.
Es sah nicht gut aus hinsichtlich eines Mannschaftssieges. Dann der unglaubliche Endspurt des Greizers. 30 Sekunden vor Schluss der Ausgleich. Doch damit nicht genug. Zehn Sekunden vor Schluss erwischte Daniel Sartakov beide Fersen des Schorndorfers, der nach hinten fiel und zwei Punkte abgab. Der Greizer setzte mit einer Rolle nach und gewann unter ohrenbetäubenden Jubel mit 7:3. Der sechs Punkte Rückstand war aufgeholt, vor dem letzten Kampf stand es 13:13.

Igor Besleaga (75 kg/g) musste es nun gegen den Fünften der deutschen Meisterschaften Dominik Chello den Mannschaftssieg sichern. Der Moldawier bestimmte den Kampf ohne das letzte Risiko einzugehen. Schon nach einer halben Minute stand es 2:0. Der Schorndorfer erhielt in jeder Runde eine Verwarnung, musste zweimal in der Bodenlage. Am Ende stand es 4:0 für den Greizer. Der auf einer hervorragenden Mannschaftsleistung basierende 15:13 Erfolg des RSV Rotation Greiz ist als großer Erfolg zu werten. Die begeisterten Zuschauer werden sicher wiederkommen.

In der Tabellenplatzierung brachte der Greizer Sieg wenig Veränderungen. Greiz bleibt auf Rang vier, die Gäste vor Heilbronn auf dem zweiten Rang. Schorndorf und Heilbronn haben jetzt aber nur noch einen Punkt Vorsprung vor Greiz.

Der nächste Kampf ist erst am 9. November und zwar wieder in Greiz. Dann reist mit dem deutschen Meister SV Wacker Burghausen der Tabellenführer an. Bereits am nächsten Tag geht es zum SV Johannis Nürnberg nach Hallbergmoos.

Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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