Mit der Nähmaschine zum Bewerbungsgespräch? - Ostthüringer Verein engagiert sich für Afrika

Junge Afrikanerin an der Nähmaschine.
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Von den unmenschlichen Verhältnissen in Westafrika erfuhr der Ostthüringer Torsten Krauße ungeschönt, als er in einer christlichen Gemeinde mit Moise Oubda, Pastor aus Burkina Faso, Freundschaft schloss. Während Arbeitgeber in Deutschland ihre Mitarbeiter selbstverständlich mit den notwenigen Arbeitsmaterialien ausrüsten, muss beispielsweise eine westafrikanische Näherin ihre Maschine zum Bewerbungsgespräch mitbringen.

Von den Schilderungen des Pastors war der christlich geprägte Krauße tief berührt und beschloss, zu helfen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er im Februar 2007 den Verein „Kinderhilfe Westafrika“ in Kahmer im Landkreis Greiz.
“Wir setzten uns für das Ausbildungszentrum ein, das die Ehefrau meines afrikanischen Freundes errichtet hatte und in dem 40 Mädchen untergebracht waren“, erinnert sich Vereinschef Krauße an das erste Projekt. „Es gab kein fließendes Wasser, die Mädchen mussten es aus Privathaushalten holen. Wir finanzierten die Wasserleitung.“
Heute verfügt der Verein über 20 Mitglieder und viele Ehrenamtliche, die anpacken, wo Hilfe gebraucht wird. „Ein Helfer hat sein Arbeitsleben lang Nähmaschinen repariert. Jetzt ist er Rentner und immer noch unermüdlich bei der Sache“, erzählt Torsten Krauße und lächelt.
Das „Dorcas-Center“ in Bobo Dioulasso, der zweitgrößten Stadt Burkina Fasos, hat sich gut entwickelt. Mehr als 800 Mädchen erhielten eine Ausbildung. Zurzeit lernen 210 Mädchen und junge Frauen schreiben und lesen, Wichtiges über Haushalt und Hygiene und lassen sich zur Schneiderin oder Frisörin ausbilden.
Ein anderes Vereinsprojekt verhilft Straßenjungs zu Lebensstruktur und festem Boden unter den Füßen. „Wir sammelten Spenden für eine Ausbildungsstätte, wo die Jungs zu Tischlern, Elektrikern oder Schweißern ausgebildet werden“, berichtet Krauße.
Mit seinen sechs Teilzeitmitarbeitern - finanziert durch Fördermittel der Bundesregierung - ist er unermüdlich auf der Suche nach Geld- und Sachspenden. Auf die Vereinsarbeit ist er stolz, sie ist ihm wichtig. „Die Menschen müssen ihrem Lebensraum, ihrer Heimat nicht mehr entfliehen, wenn sie eine gute Ausbildung und Arbeit bekommen“. Zurzeit sammelt der Verein Geld für ein Wohnheim, wo die Jungs unterkommen können und so etwas wie ein Zuhause finden. Ärmeren und Schwächeren zu helfen, darin sieht Torsten Krauße einen Lebenszweck. „Wir tun das aus unserem christlichen Glauben heraus, aus Nächstenliebe. Anderen Menschen zu helfen, das ist unser Auftrag.“
Der Verein ist an jungen Leuten interessiert, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Westafrika absolvieren möchten, gefördert vom „Weltwärts-Programm“ der Bundesregierung. „Zurzeit sind 28 FSJler für uns dort tätig“, sagt Torsten Krauße, dem es wichtig ist, dass die jungen Leute verlässlich sind. „Wenn sie dort ankommen, treffen sie auf vollkommen andere Lebensumstände, eine andere Kultur.“ Um diesen Kulturschock so gering wie möglich zu halten, bietet der Verein ein vorbereitendes und nach dem Einsatz ein nachbereitendes Seminar.
“Trotz der Armut haben viele Freiwillige verlängert“, weiß Krauße, der seine afrikanischen Freunde jedes Jahr besucht und weiß, wo es klemmt.
Doch nicht nur menschliche Hilfe und Zuwendung, auch Sachspenden werden dringend benötigt. Vordergründig sucht der Verein Nähmaschinen. Wenn die Mädchen im Dorcas-Center ihre Ausbildung beenden, erhalten sie eine Nähmaschine als Geschenk. Ohne Arbeitsmittel keine Anstellung - das gilt in Afrika damals wie heute.

Zur Sache:

Der Verein „Kinderhilfe Westafrika“ sucht für seine Projekte in Westafrika Geld- und Sachspenden, zum Beispiel Nähmaschinen, Fahrräder, Werkzeug. Auch Patenschaften können übernommen werden. Das Lager für Sachspenden befindet sich in Oelsnitz. In speziellen Shops und über die Homepage verkauft der Verein getrocknete Mangos aus Afrika.
Wer sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr bewerben möchte, muss zwischen 18 und 28 Jahre alt sein, gute Sprachkenntnisse in Englisch und oder Französisch besitzen und sozial engagiert sein.
Kontakt: 03661 / 612281

www.kinderhilfe-westafrika.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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